Union-Landesverbände offen für Equal Pay

12.1.2011 | Union-Landesverbände offen für Equal Pay

Seehofer: „Gleicher Lohn für alle – das möchte ich auch“

Horst Seehofer (CSU)

Erstmals sprechen sich führende Unions-Politiker für gleiche Bezahlung von Leiharbeitnehmern aus. Offen ließen die Christdemokraten, wie lange die Einarbeitungszeit sein soll, in denen die Löhne der Leiharbeiter noch von denen der Stammbelegschaft abweichen dürfen.

In den Verhandlungen über die Hartz IV-Reform fordern die Oppositionsparteien ein Recht auf gleiche Bezahlung für Leiharbeitnehmer. Seit der Kehrtwende der FDP im vergangenen Jahr sperrte sich zuletzt nur noch die Union gegen eine solche Regelung. Doch langsam bröckelt der Widerstand. Die Landesparteien in Saarland, Niedersachsen und Bayern wichen in den vergangen Tagen von der grundsätzlichen Ablehnung ihrer Partei ab und zeigten sich kompromissbereit.

Nach einem Auftritt des bayerischen DGB-Vorsitzenden Matthias Jena auf der CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth erklärte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer: „Gleicher Lohn für alle – das möchte ich auch“. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung will die CSU-Bundestagsfraktion noch diskutieren, nach wie vielen Monaten in einem Betrieb der Anspruch auf gleichen Lohn gelten soll. Zudem sprach sich der CSU-Vorsitzende für einen Branchenmindestlohn aus, der die Bezahlung zwischen den Einsätzen regelt. Ähnlich wie Seehofer hatte sich Ende vergangener Woche bereits der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) geäußert.

Leiharbeit darf nicht „zur Ausbeutung von Arbeitnehmern“ verkommen


Nun zog auch die CDU in Niedersachsen nach. Leiharbeitnehmer dürften „für ihre Flexibilität nicht finanziell benachteiligt werden“, stellte der Vorsitzende der niedersächsischen Landtagsfraktion, Björn Thümler, fest. Leiharbeit habe zur Bewältigung der Krise beigetragen. Im Aufschwung dürfe sie nun nicht „zur Ausbeutung von Arbeitnehmern“ verkommen.

Nach der bevorstehenden Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes für Beschäftigte aus dem EU-Ausland könne nur „Equal Pay“ vor Niedriglohnkonkurrenz schützen, fügte sein Stellvertreter Dirk Toepffer hinzu. Das heiße: „Gleicher Lohn für Zeitarbeiter und Stammbelegschaft – und das nicht erst kurz vor Beendigung des Leiharbeitsverhältnisses, sondern nach einem vertretbaren Zeitraum von beispielsweise drei Monaten.

Sollte Spitze der Union im Bund den Vorstoß der drei Landesverbände akzeptieren, bleibt abzuwarten, ob SPD und Grüne den Kompromissvorschlag annehmen. Beide Parteien fordern „Gleiche Arbeit – Gleiches Geld“ ohne Ausnahmen.



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