Leiharbeit als permanente "Randbelegschaft"

Kommentar zur neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung

Leiharbeitnehmer als permanente “Randbelegschaft”

© [Maccaroni: photocase.de]

 

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung bestätigt: Leiharbeitnehmern gelingt nur selten der Übergang in reguläre Beschäftigung. In vielen Betrieben würden sie dauerhaft eine Randbelegschaft bilden.
Die Empfehlung an die Politik:
Die Arbeitsbedingungen der Leiharbeitnehmer sollten angeglichen werden.

Niedrigere Löhne, weniger Sicherheit. Entbehrungen, die Leiharbeitnehmer in Deutschland hinzunehmen haben, werden meist mit einer Art Verheißung gerechtfertigt: Wer sich trotz widriger Umstände bewährt, so das Versprechen, wird mit einer Festanstellung im Einsatzunternehmen belohnt.

Die ansonsten als wirtschafsliberal bekannte Bertelsmann-Stiftung hat nun wissenschaftlich belegt, dass dieses Versprechen in den seltensten Fällen eingehalten wird. Der so genannte Klebeeffekt von Leiharbeit ist also nichts mehr als ein Mythos. „Belastbare Hinweise auf eine Brückenfunktion“, wie die Ökonomen diesen Effekt nennen, hätten sich aus den erhobenen Daten nicht ergeben. Stattdessen stellen die Forscher fest: Leiharbeit hat sich „nach den letzten Reformen als Randsegment im verarbeitenden Gewerbe etabliert“. Dabei diene sie „nicht nur als kurzfristiger Flexibilitätspuffer, sondern vermehrt auch als längerfristige Randbelegschaft“.

Ohne die originäre Funktion in Frage zu stellen

Auch die Wissenschaftler der wirtschaftsnahen Bertelsmann-Stiftung können diese Entwicklung nicht gutheißen. Ihre Empfehlungen an die Politik sind vorsichtig formuliert, aber ebenso unmissverständlich: Eine „Annäherung der Arbeitsbedingungen in der Zeitarbeit an die Entlohnung und die Arbeitsbedingungen der Kernbelegschaften“ biete sich an. Auch solle darüber „nachgedacht werden“, ob Verleihunternehmen ihren Leiharbeitskräften mit zunehmender Beschäftigungsdauer mehr Sicherheiten anbieten müssten. All diese Maßnahmen, versichern die Autoren der Studie, könnten ergriffen werden „ohne die originäre Funktion der Zeitarbeit als Puffer für Auftragsspitzen in Frage zu stellen“.

Bundesregierungen aller Färbungen haben sich in der Vergangenheit von der Bertelsmann-Stiftung beraten lassen. Im Fall der Hartz-Gesetze nicht unbedingt zum Besten der Arbeitnehmer des Landes. Schwarz-Gelb wäre gut beraten, auch diesen neuesten Rat der Stiftung anzunehmen. Er wäre im Sinne des ganzen Landes und zudem kostenlos.



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